Kirchenchor Bargstedt

 

Am Beginn der 135 Jahre jungen Geschichte des Kirchenchores Bargstedt stand eine Gruppe ebenso engagierter wie musikalischer Frauen. Deren Männer trafen sich einmal pro Woche zur Posaunenchorprobe – in der Hierarchie einer von der Hermannsburger Mission geprägten Geest-Gemeinde war der Weiblichkeit der Zugang zum Instrument verwehrt. Nicht allerdings der Umgang mit der eigenen „vox humana“. Dies veranlasste die Damen, sich nicht mehr damit zu begnügen, dem Nachwuchs die hungrigen Mäulchen zu stopfen und den Männern die Socken. Von Stund an wurde eine Stunde geblasen, dann trafen sich Männlein und Weiblein zur gemeinsamen Singprobe – der „Kirchenchor Bargstedt“ war geboren. Die Koalition aus Bläsern, Sängerinnen und Sängern hatte Bestand bis nach dem Zweiten Weltkrieg, dann trennten sich die Übungsabende.

Ein großes Thema  – auch wenn sich die Zeiten geändert haben und die Vokabel „Nachwuchs“ zur unbekannten Größe mutierte – ist Beständigkeit. Das gilt sowohl für die Chormitglieder (fast alle haben ihr 25-jähriges Jubiläum hinter sich, einige sind bereits 40 und 50 Jahre dabei) als auch für die Chorleiter. „Holtjürn“Fitschen (20 Jahre), Claus Fitschen (40 Jahre), Lehrer Hillmann (25 Jahre), Hans-Wolfgang Ziegeler (16 Jahre), Gisela Rivinius-Stucke  (bislang 35 Jahre): Die Zahlen sprechen für sich und für die gute Gemeinschaft untereinander.

War es noch bis Anfang der 60-er Jahre üblich, dass die Kinder ihren Eltern nach der Konfirmation in den Chor folgten, gehört diese Tradition inzwischen der Vergangenheit an. Als 1985 das 100-jährige Chorjubiläum gefeiert wurde, galt  der Bargstedter Chor mit seinen 55 Mitgliedern (unter ihnen sieben Tenor- und fünf Bass-Stimmen) im Bereich der Stader Geest als der mit Abstand größte Chor im ländlichen Raum.

Jetzt sind es etwa 25 Sängerinnen und Sänger, die mit  ihren zwar älter gewordenen, trotzdem noch immer gut geschulten Stimmen und vor allem mit viel Freude am Lob Gottes drei- und vierstimmige Chorsätze Alter und Neuer Meister, kleine Motetten oder Kantaten, zum Beispiel von Johann Sebastian Bach oder Dietrich Buxtehude,  singen. In der Regel geschieht dies a capella, gerne auch mit Streichinstrumenten oder – damit schließt sich der Kreis – in Begleitung des heimischen Posaunenchores.

Wir singen zu den großen kirchlichen Festen, bereichern „normale“  Gottesdienste mit unseren Liedern und wagen gerne auch den Blick über den Tellerrand: Als der Chor seinen 100. Geburtstag feierte, ging dieses Ereignis via „NDR-Plattenkiste“ in (fast) alle Welt, und jüngst präsentierte sich der Kirchenchor Bargstedt mit zwei kleinen Konzerten  bei der Grünen Woche in Berlin fröhlich, locker und eindrucksvoll  und wurde für seine Darbietungen mit viel Beifall und dem Wunsch nach Zugaben bedacht.

P.S.: Auch wenn, wie gesagt, die Vokabel „Nachwuchs“ zur großen  Unbekannten wurde, freut sich der Kirchenchor Bargstedt über „Neue“. Das Motto „Sopran, Bass, Alt, Tenor – wir brauchen Euch im Kirchenchor“ gilt heute wie vor 135 Jahren.

Gisela  Rivinius-Stucke, Chorleiterin

 

Dienstag, 25. Juli 2017
Du hast meine Seele vom Tode errettet, mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten.
Paulus schreibt: Epaphroditus war todkrank, aber Gott hat sich über ihn erbarmt; nicht allein aber über ihn, sondern auch über mich, damit ich nicht eine Traurigkeit über die andere hätte.